2. Tagebucheintrag, 21.01.1912

21. Jänner (Sonntag)

Heute angenehme NachrichtenC.F. Peters an Arnold Schönberg 20. Januar 1912 (ASCC 14928). Da Schönbergs Hauptverlag Universal-Edition nicht alle Werke im gewünschten Tempo publizieren konnte, hatte sich Schönberg mit Verlagsdirektor Hertzka darauf verständigt, die Orchesterstücke op. 6 bei einem anderen Verlag herauszugeben. Die Überlassung an den namhaften Verlag C.F. Peters sah man weniger als selbstschädigende Konkurrenzsituation, denn als Möglichkeit, die Reputation zu steigern (Vgl. Arnold Schönberg an Universal-Edition, 21. Jänner 1912 (ASCC 293). per Post (seit langem die ersten): Peters nimmt Orchesterstücke. Honorar niedrig! Aber Peters-Edition! Das entscheidet. Und gedruckt! Marschalk meldet sich wieder Schönberg bezieht sich auf seine Korrespondenz mit seinem ersten Verleger Max Marschalk Verlag Dreililien an Arnold Schönberg, 20. Jänner 1912 (ASCC 12423).. Der hat Hinter=Gründe! Offenbar hat er sich mit Herzka über meine und seine Sachen auseinandergesetzt. Habe Herzka wegen Druck der 5 freien Werke zum letzten mal gefragt„Nun möchte ich aber doch wissen, wie Sie sich zu den anderen Werken stellen. Und ich muss, das rasch wissen, denn ich möchte unbedingt alles so rasch wie möglich gedruckt haben. Deshalb frage ich Sie und bitte Sie um schleunige und klare Antwort: Welche der übrigbleibenden fünf Werke wollen Sie haben. Meine Bedingungen sind nur die unseres Vertrages“ (Arnold Schönberg an Universal-Edition, 21. Jänner 1912 (ASCC 293). Bei den genannten Werken handelt es sich um Arnold Schönberg, Am Strande; Zwei Lieder für Gesang und Klavier op. 14 (alle drei Lieder in einem Opus zusammenzufassen), Kammersymphonie op. 9, George-Lieder op. 15, Friede auf Erden op. 13.. Gleichzeitig Tischer und Jagenberg angefragt„da die Universal-Edition nicht in der Lage ist, soviel Werke von mir in der geforderten Frist zu drucken [...] so bin ich in der Lage Ihnen folgende Kompositionen zum Verlag anzubieten [...]“ Schönberg stellte die Forderung, dass alle angebotenen Werke in Verlag genommen werden müssten, was für einen kleinen Verlag nicht leistbar war. Arnold Schönberg an Gerhard Tischer, 21. Jänner 1912 (ASCC 23929). ob Sie sie haben wollen. Ich glaube nicht, damit ein Unrecht zu tun, da ich nicht die Absicht habe, einen durch den andern zu überbieten. Sondern im Gegenteil: Ich habe von Herzka weniger verlangt und werde trotzdem ihm die Sachen geben ohne auf T. und J. zu warten. Also nur um Zeit zu gewinnen. – NachGelöscht ( überschrieben )Vormittag unangenehme Nachricht: Frau Simon-Herlitz spielt nicht den Harmonium-Part in meinem Konzert. Empfiehlt Kaempf. Bös, im letzten Moment jemanden suchen zu müssen. Uebrigens


Seite 2 — Faksimile
Noch immer keine Zusage von der Winternitz. Dann nachmittag wieder unangenehmes. Webern wird am 5. März nicht in WiGelöscht ( durchgestrichen ) Berlin sein, wenn Rosé hier mein I. Quartett spielt. Tut mir leid, weil der einzige Freund der das Werk kennt, der einzige der ihm mit Wärme gegenübersteht. Er fährt nach Wien um die VIII Mahler-Symphonie zu hören. Täte ich ja auch gerne. Zeigt aber dass er doch nicht so ausschließlich an mir hängt, wie er gerne glauben machen möchte. Abends Diskussion darüber mit Mathilde. Resultat davon: wir sind halb und halb bös. Natürlich geht sie viel zu weit; denn sie hat aus gewissen Gründen (G)1907/08 hatte Mathilde Schönberg eine Affäre mit dem jungen Maler Richard Gerstl. Als diese im Sommer 1908 im gemeinsamen Urlaub am Traunsee aufflog, flüchteten Mathilde und Gerstl nach Nußdorf. Anton Webern fuhr ihnen nach und holte Mathilde zurück. Der in weiterer Folge geächtete und isolierte Gerstl beging im November 1908 Selbstmord. ein Bedürfnis dem Webern eins am Zeug zu flicken. Ich hielt ihr vor, dass ich selber mich gegen Mahler eigentlich oft nicht besser aufgeführt habe; dass Eltern gegen Kinder, Kinder gegen Eltern sich schlecht benehmen. Dass gut eben eine Abstraktion ist und nichts Absolutes. Dass es Absolut gute und tadellose Menschen nicht giebt. Und dass ich nicht vergessen will, in wie vielen andern Fällen sich Webern ausgezeichnet zu mir benimmt. Aber das will sie nicht einsehen. Sie bleibt starr bei ihrer Behauptung und hört kaum zu. –––