4. Tagebucheintrag, 23.01.1912

23. Jänner; Heute Probe mit Closson, Steuermann, Grünberg (lauter Busoni-Schüler) und Webern: die Orchesterstücke 8händig. Große Enttäuschung. Meine Schüler taugen mehr, als Busonis. Sind vielmehr Musiker. Ich glaube es sind auch gescheitere Menschen. Insbesondere Grünberg ist sehr schlecht. Keinen Rhythmus. Closson ist sehr gut, Steuermann nicht schlecht. Aber so das richtige Musicieren, dieses rasche Verstehen, das fehlt hier ganz. Ich weiß wirklich nicht, ob die Sache herauskommen wird. Gerne möchte ich Grünberg davonjagen, der wirklich nicht sympathisch ist und dem ich es schon zutraue, daß er, wie Perelmann erzählt hat, über meine Vorträge geschimpft hat. Er bestreitet das zwar, aber das ist doch erst recht unsympathisch. Und mit diesem Menschen hat Busoni mich verwechseln können„Unter den 871 (!) eingesandten Klavierstücken für das Signale-Preisausschreiben glaubte ich, Sie in einem Präludium und Fuge zu erkennen“ schrieb Busoni an Schönberg. Die genannte Einsendung war allerdings nicht von Grünberg, sondern von Karol Szymanowski (Brief von Ferruccio Busoni an Arnold Schönberg (Berlin, 7. Oktober 1909), bearbeitet von Claudio Fuchs und Christian Schaper, in: Briefwechsel Ferruccio Busoni – Arnold Schönberg, hrsg. von Christian Schaper und Ullrich Scheideler, Berlin: Institut für Musikwissenschaft und Medienwissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin, 3. Januar 2016: Institut für Musikwissenschaft und Medienwissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin, https://busoni-nachlass.org/D0100019 (11. Januar 2020: in Korrekturphase): Der hatte jene Klavierstücke eingereicht (bei einer Preiskonkurrenz), die Busoni als von mir zu erkennen glaubte. Sehr tief scheint er mich nicht erfaßt zu haben. Denn das müßte man doch spüren, daß in meiner Musik etwas ist, was vonGelöscht ( durchgestrichen ) eine Ähnlichkeit mit Herrn Grünberg ausschließt. Übrigens: Busoni! Ich habe ihm gestern einen sehr warmen Brief über seine Kompositionen geschrieben. Es hat mich gedrängt, das Unrecht gutzumachen. Er läßt mir darauf heute durch van Düren sagen, daß er mir sehr danke; sich gefreut habe; aber mir nicht schreiben könne, weil er zu sehr beschäftigt sei. – Ich hätte in einem solchen Fall Zeit zum Schreiben gefunden! In meine Probe kommt er nicht. Offenbar weil ich nicht in der seinigen war. Er vergißt nur, daß ich ihn eingeladen habe, er mich aber nicht. Woher sollte ich wissen, ob es ihm recht ist?
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Peters hat heute schon das Honorar geschickt. Das ist schnell gegangen. Hoffentlich bringt es Glück. Ich lerne jetzt sehr viele Menschen kennen, aber es sind doch wenig Menschen darunter. Vielleicht erwirbt man so Menschenkenntnis, indem man auf solche Art stets keine Menschen findet. – Morgen 9 Uhr Probe. Hoffentlich geht's besser. Schwer ist so etwas einzustudieren. Es macht mir wirklich oftüber der Zeile hinzugefügt Schwierigkeiten zu sagen, ob es beisammen war. Erst wenn's anfängt klarer zu werden, unterscheide ich genau. Mir fehlen eben die Klänge! Die Farben. Das Klavier ist doch nur ein Instrument. Aber weniger für die Musiker als für die Pianisten. Vielleicht ist es deshalb so populär!?