28. 1. – Winternitz-Dorda hat am 24. das Konzert abgesagt! Repertoire-Änderung. Sie
singt Sonntag nachmittag. Große Verlegenheit.
Petri fährt am 29. für fünf Wochen nach London.
Muß also anderen Pianisten für Klavierstücke, George- und
ältere Lieder finden. Dachte auch an
Balaban und Frau Werndorff. Im Notfall! Buhlik
ist auch am 29. da. Aber so lange kann man nicht
spielenGelöscht ( durchgestrichen ) warten. Konnte am 24. noch keinen Entschluß fassen. Bekam aber
Einfall, Konzert bis zum 4. cirka zu verschieben,
dann Berlin, Leipzig, Dresden, Breslau und Prag,
als Tournee, da Zemlinsky in Prag ohnedies einen Abend von mir machen will.
Gutmann gesagt, bestellt mich für 25. zu sich. Stellt Vertrag für Gurrelieder in Aussicht. Spricht aber vorläufig nichts
davon, sondern macht die Aufführung vom materiellen Erfolg der VIII. Mahlers abhängig, die er im Mai dreimal aufführen will. Anmerkung Schönberg, linker Rand: ! Drei verschiedene Dirigenten: Walter, Mengelberg, Göhler. Schlechte Idee, mit der Mahler sicher nicht einverstanden gewesen wäre. Wenn schon drei
Aufführungen, dann alle von einem Dirigenten, damit sieGelöscht ( überschrieben ) es von Mal zu Mal besser wird. Jede Aufführung ist dann eine
Probe zur nächsten. Schlug aber Alex als einen
dieser Dirigenten vor. Gutmann will nicht recht.
Zu wenig bekannt. Werde noch drängen, vielleicht gelingt das. Mit Tournee nicht
einverstanden, da zu wenig Zeit zur Vorbereitung. Dagegen Vorschlag, zu Frau Dr.
Zehmes Vortrags Absichten einen Cyklus
Pierrot lunaire zu komponieren.
Stellt hohes Honorar (1000 Mark) in Aussicht. Habe Vorwort gelesen, Gedichte
angeschaut, bin begeistert. Glänzende Idee, ganz in meinem Sinn. Würde das auch
ohne Honorar machen wollen. Deshalb auch anderen Vorschlag gemacht: statt
Honorar Aufführungstantiemen. Annehmbarer für mich, weil ich ja doch nicht auf
Bestellung arbeiten kann. So aber: bringe ich
die Melodramen
fertig, dann soll sie sie aufführen und mir die vereinbarten und garantierten
Tantiemen für 200Gelöscht ( durchgestrichen ) bis 30 Abende bezalen. Dürfte
angenommen werden. Am 25. nachmittags trotz der
Absage Probe gehalten. Geht nicht besonders gut. Grünberg ohne Rhythmus, Closson
gut musikalisch, aber trocken. Fragte Closson,
ob er anüber der Zeile hinzugefügtPetris Stelle einspringen wolle. Er lehnte ab.
Unmöglich in so kurzer Zeit. Stellt sich heraus, daß Abend am 4. Februar sein muss, weil sonst auch Grünberg und Closson
verreist sind. Beschließe, Winternitz zu fragen.
Der hat Guttmann trotz meines energischen
Protestes einen sehr scharfen Brief geschrieben. Winternitz antwortete entrüstet. Hält mir alles vor, „was
sie für mich getan“. Dumme Gans! Vergisst, dass sie durch meine Konzerte
aus der gänzlichen Unbeachtung hervorgezogen worden ist. MGelöscht ( durchgestrichen ) Nehme von diesen Dummheiten einfach nicht
Notiz. Vor allem um sie zu einer klaren Antwort zu zwingen, ob sie mittunüber der Zeile hinzugefügt will oder nicht. Scheint aber nicht zu erzielen
zu sein. Denn so wenig intelligent das Frauenzimmer sonst ist, darin ist sie
schlau. Überhaupt: Lügen FrauenGelöscht ( durchgestrichen ) ja alle
Frauenzimmer besser, als die Männer die Wahrheit sagen. AntworGelöscht ( durchgestrichen )Winternitz antwortete am 27.! daß sie am 4. frei ist, am
Sonnabend (3.) aber beschäftigt. Sodass keine Probe mehr sein könnte. Denke
daran, das Konzert am 4. abends (statt Mittags)
zu geben. Eventuell um 6 Uhr. Muss aber noch den Brief („Brief
folgt“) abwarten. Es scheint, dieses Konzert soll nicht stattfinden. Ich
habe ja immer große Schwierigkeiten. Aber so große hatte ich noch nie. Muß mich
um andere Sängerin umsehen. Denke an Hempel;
will deshalb Blech aufsuchen. Am 27. Nichts Besonderes los. Beschäftige mich mit den
Korrekturen des Kontinuos für Prof. Dr. Guido
Adler. Kam nicht weit. Am 28.
Korrektur der Aphorismen für Akademischer Verein in
Wien.
Brief von Peters der mir für Mittwoch in Berlin ein Rendezvous gibt, um mich persönlich
kennenzulernen. Will Titel für die Orchesterstücke; aus verlagstechnischen
Gründen. Werde vielleicht nachgegGelöscht ( überschrieben )ben, da ich Titel
gefunden habe, die immerhin möglich sind. Im ganzen die Idee nicht sympathisch.
Denn Musik ist darin wunderbar, dass man alles sagen kann, sodass der Wissende
alles versteht, und trotzdem hat man seine Geheimnisse, die, die man sich selbst
nicht gesteht, nicht ausgeplaudert. Titel aber plaudert aus. Außerdem: Was zu
sagen war, hat die Musik gesagt. Wozu dann noch das Wort. Wären Worte nötig,
wären sie drin. Aber die Musik sagt doch mehr als Worte. Die Titel, die ich
vielleicht geben werde, plaudern nun, da sie teilsüber der Zeile hinzugefügt
höchst dunkel sind,
teils
Technisches sagen, nichts aus. Nämlich: I. Vorgefühle (hat
jeder)über der Zeile hinzugefügt, II. Vergangenes (hat auch jeder), III. Akkordfärbungen
(technisches), IV. Peripetie (ist wohl allgemein genug), V. Das obligate
(vielleicht besser das „ausgeführte“ oder das
„unendliche“) Rezitativ. Jedenfalls mit einer Anmerkung, daß es sich
ums Verlagstechnische und nicht um den „poetischen Inhalt“
handelt.
Nachmittags hätte Probe sein sollen, aber Steuermann und Grünberg waren
waren aus Missverständnis nicht gekommen. Aber Closson will die Klavierstücke spielen. – Am 27. war
Steuermann bei mir. Mir seine Kompositionen
vorgespielt. Sehr talentvoll! Will bei mir lernen. Gebe ihm auf, die Klavierstücke und die Liederbegleitung fürs
Konzert zu übernehmen. Sieht sich's an. Muss nun Klavierstücke an Closson abgeben.
Macht aber wahrscheinlich Begleitungen. – Lernt er bei mir, dann verdiene ich,
falls Zweig kommt, doch schon vielleicht 200
Mark monatlich. Und vor allem: ich habe wieder Schüler. Sagte Steuermann, daß ich ihn auch umsonst unterrichten
würde. Er kann nämlich noch nicht sagen, ob und was er mir bezalen kann. Am
28. im Berliner Tageblatt: Dank Strindbergs für Geburtstags-Gratulationen. Könnte von
mir sein. Ganz meine Empfindungen und Erfahrungen: Die Devotion und Beschämung
einem Lob gegenüber, dem man sich zu gering vorkommt; andererseits der Hochmut
und die Empörung, wenn einem verdiente Anerkennung entzogen wird. – Muss fort,
für Mittag etwas einkaufen, weil Eichbergs kommen. Für nGelöscht ( überschrieben )Nachmittag hat sich eben Marc mit Frau angemeldet. Beides
dürfte nicht sehr amüsant werden. Und dabei hätte ich so viel zu tun!