6. Tagebucheintrag, 02.02.1912

2. Februar Sonntag, 27Gelöscht ( überschrieben )8., waren Eichbergs zu Mittag da. Er ist ja ein ganz guter Kerl. Immer noch der alte, der eigentlich von einer Verlegenheit in die andere fällt, was er zwar durch weltmännisch-berlinische Forschheit verbergen möchte, ohne daß es ihm gelänge. Er spricht auch, insbesondere wenn er von seinem Fach spricht, sehr klug. Wenn er nur mehr davon spräche, da er doch weiß, daß ich mich für die Technik so interessiere. Sie bemühte sich auch, möglichst die Spannung auszugleichen, die durch ihre uns gezeigteüber der Zeile hinzugefügt Teilnahmslosigkeit zwischen uns herrschte. Anfangs bliebs kalt, dann wurden wir ja wieder etwas wärmer. Eichberg benützte wiederholt Gelegenheiten, meinem Wirken Aufmerksamkeit zu zeigen. Etwas forciert! So begann er einzelne meiner Bilder zu loben. Besah meine gedruckten Noten und Bücher.
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Erkundigte sich, ob er meine Harmonielehre verstehen werde. Fragte nach meinen Vorträgen. Sprach die Absicht aus, meine gedrucktenüber der Zeile hinzugefügt Lieder anzuschaffen. (Etwas forciert!) Und lobte besonders ein Bild wiederholt. Schließlich sprach er den Wunsch aus, es mir abzukaufen (eine kleine Winterlandschaft, die ich einmal, weil ich Kopfweh hatte, gemalt habe). Ich antwortete ausweichend, weil ich mir meine Versöhnung nicht abkaufen lassen wollte. Nachher kam Webern dazu. War im Konzert gewesen, bei Hausegger. Hatte Bischoff II. Symphonie gehört. Aber sehr wenig guten Eindruck gehabt. Ebenso von der Probe, die Busoni zu einem Schirmer-Verlags-Konzert gehalten hat. Insbesondere über Busoni als Dirigent. Dann kam Marc (ohne Frau, die krank war). Lobte unter heftigem Widerspruch meinerseits, Cassirer. Ich fand, gerade der gewisse „kunstverständige“ Kunsthändler sei schädlich für die Künstler. Denn der versteht es, mit dem Ausdruck der Bewunderung ein Viertel herabzudrücken von dem, was der bloß Geschäftsverständige gegeben hätte. Und schließlich wird einem diese ölige, weichliche Unterhaltung mit einem Menschen, dem man ja doch am liebsten einen Fußtritt geben möchte, zum Ueberdruss. Marc zeigte Brief von Loos, der über Oppenheimer schimpft, ihn Schwindler, Kokoschka-Kopisten nennt und vor ihm warnt. Wirkliches Unrecht, das man dem Oppenheimer tut: einen, der unoriginell ist, muß man deswegen noch nicht Schwindler nennen. In Wirklichkeit ist Oppenheimer gewiss wenig sympathisch. Seine Bilder haben mich nie über sein Nicht-Genie getäuscht. Er ist ein „Lausbub“, aber kein Schwindler. Und seine Bilder haben nichts mit Kokoschka gemein. Dat tut man beiden unrecht! Denn Kokoschka ist echt! – Marc ist ein ganz sympathischer Mensch. Etwas unklar und nicht sehr bedeutend. Er kaGelöscht ( durchgestrichen ) wird nicht lange mit Kandinsky zusammengehen. Insbesondere nicht, wenn man ihm das öfter, aber taktvoller nahelegen würde, als es der Brief eines Kunstfreundes tat, von dem er im Anschluss an Loos etwas präpotente Ratschläge („gehen Sie zu Hans v. Weber; was der tut, ist wohlgetan“ ...) erzählte. Montag, (29.) schickten wir Eichbergs das Bildchen, das sie bewundert hatten. Als Geschenk! Da Eichberg Geld hat, kann er größere Bilder kaufen und muss nicht das kleinste aussuchen, weil er hofft, es werde billig sein. Dann wäre ich ihm sogar noch zu Dank verpflichtet. „Der Mäcen!“ – Nachmittag Vortrag. Busoni war dort. Bedankte sich sehr warm für meinen Brief und war wirklich sehr nett. Ich halte es doch noch für möglich, daß ich mit ihm zGelöscht ( durchgestrichen ) mich zusammenfinde. Gewünscht habe ich es immer.
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Anmerkung Schönberg, linker Rand: Wohl in Berlin !! SchbgDenn er ist zweifellos ein genialer Mensch. Jedenfalls weitaus das beste, was ich bisher kennenlernte. Im Vortrag sagte ich dann meine Ideen über Genie und Talent. Insbesondere die, dass das Genie die zukünftige Form der Menschheit ist. Das schien Busoni sehr zu gefallen. (Freut mich wirklich ungemein!) Er will, dass ich bei ihm, vor vielen Gästen, einen solchen Vortrag halte. Ich bin nicht abgeneigt.